UGC für Gastronomie und Erlebnis-Locations: Warum echte Gäste-Videos besser wirken als Werbung
Was User-Generated Content für Restaurants, Bars und Erlebnis-Locations bringt, wie du echte Gäste-Videos sammelst, was sie kosten und was du rechtlich beachten musst.
Von Lennart Hahn, Gründer von Whisper
User-Generated Content (UGC) sind Fotos und Videos, die Gäste selbst über ihren Besuch bei dir erstellen. Für Restaurants, Bars und Erlebnis-Locations ist das die glaubwürdigste Form von Marketing, weil sie aus Sicht eines echten Gastes zeigt, was man bei dir erlebt. UGC entsteht selten von allein. Du bekommst deutlich mehr davon, wenn du filmbare Momente schaffst, Gäste gezielt ansprichst und das Posten belohnst.
Was ist UGC und was nicht?
UGC ist Content, den Menschen außerhalb deines Unternehmens erstellen: das Reel einer Geburtstagsrunde, das TikTok vom Cocktailkurs, die Instagram-Story vom neuen Brunch. Abgrenzen lässt sich das so:
| UGC von Gästen | Influencer-Kooperation | Eigene Werbung | |
|---|---|---|---|
| Wer erstellt es? | echte Gäste | bekannte Creator | du oder eine Agentur |
| Glaubwürdigkeit | sehr hoch | mittel bis hoch | niedriger |
| Kosten pro Video | niedrig | mittel bis hoch | hoch |
| Planbarkeit | gering ohne System | hoch | hoch |
Die Grenzen sind fließend: Ein Gast mit 3.000 Followern, der für sein Video belohnt wird, ist technisch schon ein kleiner Creator. Entscheidend ist, dass der Besuch echt ist.
Warum echte Gäste-Videos besser wirken
Menschen vertrauen Menschen mehr als Marken. In der Nielsen-Studie „Global Trust in Advertising“ mit über 30.000 Befragten in 60 Ländern vertrauten 83 % ganz oder teilweise den Empfehlungen von Freunden und Familie. Meinungen anderer Konsumenten im Netz landeten mit 66 % auf Platz drei der vertrauenswürdigsten Werbeformen.
Für Gastronomie und Freizeit gilt das besonders, denn die Kernfrage vor jedem Besuch lautet: „Wie ist es da wirklich?“ Ein Video von jemandem, der gerade am Tisch sitzt, beantwortet das besser als jeder Imagefilm. Auf TikTok und Instagram kommt hinzu, dass Videos von echten Menschen weniger nach Anzeige aussehen und deshalb seltener weggewischt werden.
So bekommst du mehr UGC
1. Filmbare Momente schaffen
Gäste filmen, was überrascht oder gut aussieht: ein Gericht, das am Tisch fertig gemacht wird, ein Drink mit Rauch, eine Wand, vor der man sich gern fotografiert, ein Spiel, bei dem alle lachen. Wenn es bei dir keinen solchen Moment gibt, ist das die erste Baustelle.
2. Zum richtigen Zeitpunkt fragen
Der beste Moment ist direkt nach dem Höhepunkt des Besuchs, nicht am Ausgang. Eine Tischkarte mit deinem Handle, ein Satz vom Service („Wenn ihr filmt, markiert uns gern!“) oder ein QR-Code am Tisch reichen oft schon.
3. Posten belohnen
Ohne Anreiz postet nur ein kleiner Teil der zufriedenen Gäste. Übliche Anreize sind ein Rabatt, eine Kleinigkeit aufs Haus oder eine Bezahlung pro erreichtem View. Der Unterschied: Ein Rabatt belohnt jeden Post gleich, egal ob ihn fünf oder fünftausend Menschen sehen. Eine Bezahlung pro View belohnt Reichweite, die tatsächlich entsteht. Wie sich die Modelle rechnen, zeigt unser Artikel Was kostet Influencer-Marketing für Restaurants?.
4. Lokale Creator für feste Termine
Wenn du zu einem bestimmten Datum Aufmerksamkeit brauchst, etwa für eine Eröffnung, eine neue Karte oder freie Plätze an einem Kurs-Abend, lohnt es sich, gezielt lokale Creator einzuladen. Sie liefern verlässlich Videos zu einem festen Zeitpunkt, während Gäste-UGC eher gleichmäßig über das Jahr entsteht.
Was UGC kostet
- Ohne Anreiz: nichts außer dem Aufwand für filmbare Momente und Hinweise. Dafür ist die Menge schwer planbar.
- Mit Rabatt oder Beigabe: der Warenwert pro Post, unabhängig von der Reichweite.
- Mit Bezahlung pro View: bei Whisper zum Beispiel 3 bis 6,50 Euro pro 1.000 geprüfte Views, gedeckelt pro Video, ohne Setup-Gebühr und ohne Abo.
- Mit Creator-Einladungen: ein vorab vereinbartes Budget für Einladung und Honorar.
Rechtliches: Kennzeichnung und Nutzungsrechte
Werbekennzeichnung. Sobald ein Gast für seinen Post eine Gegenleistung bekommt, muss er den Beitrag als Werbung kennzeichnen. Der Bundesgerichtshof hat das 2021 klargestellt, und der Leitfaden der Wettbewerbszentrale versteht „Gegenleistung“ ausdrücklich weit: Schon kostenlose Produkte zählen, eine Bagatellgrenze gibt es nicht. Weise Gäste, die du belohnst, deshalb aktiv darauf hin.
Nutzungsrechte. Ein Video, das ein Gast auf seinem Profil postet, gehört ihm. Wenn du es auf deinem eigenen Kanal zeigen, auf deiner Website einbinden oder als Anzeige bewerben willst, brauchst du sein Einverständnis, am besten schriftlich und mit klarer Angabe, wofür und wie lange. Teilen über die eingebauten Funktionen der Plattformen, etwa ein Repost, ist dagegen meist unproblematisch.
Dieser Abschnitt ersetzt keine Rechtsberatung, deckt aber die beiden Punkte ab, die in der Praxis am häufigsten übersehen werden.
Wie du den Erfolg misst
- Views und Reichweite der Videos, idealerweise mit einem Anteil lokaler Zuschauer.
- Profilbesuche und neue Follower auf deinen eigenen Kanälen nach starken Videos.
- Reservierungen und Buchungen in den Tagen nach einer Welle von Posts.
- Die einfache Frage an neue Gäste: „Wie seid ihr auf uns gekommen?“
Häufige Fragen
Was bedeutet UGC in der Gastronomie?
UGC steht für User-Generated Content, also Fotos und Videos, die Gäste selbst über ihren Besuch erstellen und auf Plattformen wie TikTok oder Instagram teilen. Für Restaurants und Bars ist das die glaubwürdigste Form von Empfehlung im Netz.
Darf ich Gäste-Videos auf meinem eigenen Kanal verwenden?
Nur mit Einverständnis der Person, die das Video erstellt hat. Kläre am besten schriftlich, wo und wie lange du das Video nutzen darfst, besonders wenn du es als Anzeige bewerben willst.
Müssen Gäste ihren Post als Werbung kennzeichnen?
Ja, sobald sie dafür eine Gegenleistung erhalten, zum Beispiel Geld, einen Rabatt oder ein Gratisgetränk. Ohne jede Gegenleistung ist ein privater Post über einen Restaurantbesuch in der Regel keine kennzeichnungspflichtige Werbung.
Wie viel UGC braucht eine Location?
Es gibt keine feste Zahl, aber ein stetiger Strom schlägt einzelne Spitzen: Lieber jede Woche ein paar neue Gäste-Videos als einmal im Jahr eine große Kampagne. So bleibt deine Location in den Feeds der Menschen in deiner Umgebung präsent.
Fazit
Echte Gäste-Videos sind das glaubwürdigste Marketing, das eine Location haben kann, und sie kosten einen Bruchteil produzierter Werbung. Damit daraus ein verlässlicher Kanal wird, brauchst du filmbare Momente, einen klaren Anreiz und ein Auge auf Kennzeichnung und Nutzungsrechte. Wie der Einstieg auf TikTok konkret aussieht, zeigt unser Leitfaden TikTok für Restaurants und Bars.
Quellen
- Nielsen: Global Trust in Advertising 2015 (über 30.000 Befragte in 60 Ländern)
- Bundesgerichtshof: Pressemitteilung zur Kennzeichnungspflicht von Influencerinnen (September 2021)
- Wettbewerbszentrale: Leitfaden zur Kennzeichnung von werblichen Posts (August 2024)